Landesausstellung

Grosse Landesausstellung Baden Württemberg

 

Die Grosse Landesausstellung findet vom 16.4.-09.10.2016 in Bad Schussenried und Bad Buchau statt. Jetzt Termin vormerken!

 

4.000 Jahre Pfahlbauten - Geschichte(n) aus Oberschwaben

 

Eine Ausstellung an zwei Orten

Für 2016 steht ein kulturelles Großereignis an, das man sich schon jetzt vormerken sollte: Die Große Landesausstellung Baden-Württemberg „4.000 Jahre Pfahlbauten".

 

Sonst sind spektakuläre historische Großausstellungen vom Kaliber „Die Kelten" oder „Die Eiszeit – Kunst und Kultur" eher in Stuttgart oder in Karlsruhe anzutreffen, 2016 rückt Oberschwaben in den Focus der Geschichts- und Archäologie-Fans. Im Kloster Schussenried, das alleine für sich schon einen Besuch wert ist, werden die Pfahlbauten der Steinzeit gezeigt; das einzigartige Federseemuseum in Bad Buchau widmet sich ganz den Pfahlbauten der Bronzezeit.

 

Aktueller Anlass für die Ausstellungen ist die Ernennung von 111 Siedlungsplätzen - stellvertretend für die rund 900 bekannten Pfahlbaustationen rund um die Alpen - als UNESCO Welterbe. Wegen ihrer Einzigartigkeit und ihrer besonderen Bedeutung für die frühe Geschichte der Menschheit wurden die Pfahlbauten zum universellen Erbe der Menschheit erklärt – und sind damit in guter Gesellschaft wie z.B. mit dem Kölner Dom oder der Wartburg, die ebenfalls auf der insgesamt 39 Positionen langen Liste des deutschen Welterbes vermerkt sind.

 

Neben sensationellen Ausgrabungsergebnissen und Funden aus Oberschwaben und vom Bodensee, werden auch hochkarätige Exponate namhafter Sammlungen aus Frankreich, Italien, Österreich, der Schweiz und Slowenien vertreten sein. Viele dieser Objekte werden überhaupt zum ersten Mal ausgestellt oder sind erstmals in Deutschland zu sehen.

 

Was macht die Pfahlbauten so einzigartig?

Auf den ersten Blick sind die Pfahlbau-Welterbestätten – allein 15 Siedlungen in Baden-Württemberg – wenig spektakulär, denn sie liegen heute „unsichtbar" im Wasser des Bodensees oder im Moor des Federsees verborgen. Ein Besuch dieser Stätten vor Ort fällt daher in der Regel eher ernüchternd aus. Was macht die Fundstellen aber trotzdem so besonders?

 

Bei Ausgrabungen vorgeschichtlicher Siedlungen finden sich in der Regel nur noch Steinwerkzeuge, Knochen und Keramikgefäße; alles andere ist durch Lagerung im Boden vergangen. Ganz anders hingegen bei den Pfahlbauten: Unter Wasser und im Moor sind die Erhaltungsbedingungen unter Sauerstoffabschluss derart gut, dass selbst vergängliche Dinge über die Jahrtausende nahezu unverändert konserviert werden, das reicht von Kleidungsstücken aus Rindenbast, Kämmen für die Frisur, Rindengefäßen, Kochlöffeln, hölzernen Wagenrädern, über Körbe und Siebe bis hin zu so skurrilen Dingen wie Kaugummis aus Birkenpech. Verkohlte Getreidevorräte oder auch „Steinzeit-Häufchen" – Exkremente der Pfahlbaubewohner geben Auskunft über die Ernährungsgewohnheiten der Menschen.

 

Diese Quellen ermöglichen so eine detaillierte Rekonstruktion der Vergangenheit und machen die frühe Geschichte lebendig. Naturwissenschaftliche Untersuchungen ergeben jahrgenaue Datierungen und Einblicke in frühe Formen der Landwirtschaft und Haustierhaltung. Sie zeigen aber auch erste folgenschwere Eingriffe in den Haushalt der Natur. Die einzigartigen Funde erlauben Einblicke in eine Welt, die vor tausenden von Jahren versunken ist - eine Welt, die fern und fremd erscheint, aber heute noch in vielem nachwirkt. Denn viele Erfindungen und Innovationen dieser Zeit, wie etwa die Erfindung des Pfluges, von Rad und Wagen und die Entstehung der Kupfer-, Bronze- und Eisenmetallurgie veränderten auf lange Sicht die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse und revolutionierten die Geräte- und Waffentechnologie.

 

Steinzeit im Kloster

 

Im Kloster Bad Schussenried werden allgemeine Fragen und besonders die steinzeitliche Epoche der Pfahlbauten (6000 -2200 v. Chr.) behandelt. Wie lebte man in den Pfahlbauten und welche Vorteile brachten diese Siedlungsweise? Warum erfasste dieses Phänomen alle Gebiete rund um die Alpen vor 6000 Jahren? Allein vom Bodensee sind über 100 solcher Pfahlbaudörfer bekannt, die wie Pilze aus dem Boden schossen. Für Archäologen in aller Welt steht (Bad) Schussenried übrigens für die „Schussenrieder Kultur", eine jungsteinzeitliche Kulturgruppe, die für ihre schön verzierten Henkelkrüge bekannt ist, vielleicht trank man daraus bereits „Schussenrieder Bier"?

 

Auf Augenhöhe mit Ötzi

 

Der berühmteste Zeitgenosse der steinzeitlichen Pfahlbau-Zeit war der Gletschermann Ötzi - der mitsamt seiner Ausrüstung aufgrund der Tiefkühlung im Gletschereis erhalten geblieben ist. Vor rund 5000 Jahren machte er sich zu Fuß über die Alpen auf den Weg – möglicherweise war sein Ziel der Bodensee. So deutet u.a. ein Dolch aus der Pfahlbausiedlung Allensbach darauf hin, dass es diese Kontakte über die Alpen gab: die Klinge ist aus dem gleichen oberitalienische Feurstein gefertigt, wie der Dolch des Eismannes. Auch andere Funde wie Schmuck oder Ritualobjekte zeigen, dass die Menschen schon zur Steinzeit in Europa weit vernetzt und mobil waren. Mit der Gewinnung und Verarbeitung von Metall machten sie erste Erfahrungen: Ötzi trug ein Kupferbeil bei sich und in einer Pfahlbausiedlung bei Hornstaad fand man einen der ältesten Kupfergegenstände nördlich der Alpen: 5900 Jahre alt!

 

Die vielen organischen Funde geben uns Auskunft über das alltägliche Leben, Kleidung, Ernährung oder auch Handwerk. Einen einmaligen Einblick in die geistige Lebenswelt gewährt uns die Entdeckung eines spektakulären Kulthauses der steinzeitlichen Siedlung von Ludwigshafen. Die Archäologen rekonstruierten aus unzähligen Bruchstücken die älteste Wandmalerei nördlich der Alpen: eine 8 m lange, bemalte Wand, auf der ein Fries von 7 Frauenfiguren mit erhobenen Armen und modellierten Brüsten dargestellt war! Die animierte Rekonstruktion ist eines der Highlights der Ausstellung. Die Verehrung mythischer Ahnen, Abstammungslinien zwischen Vorfahren und Nachkommen, Fortpflanzung und Fruchtbarkeit spielten eine wichtige Rolle. Wer hätte bis dahin den steinzeitlichen Pfahlbauern solche Kunstäußerungen zugetraut?

 

Bronzezeit im Lehmbruckbau

 

Der zweite Teil der Ausstellung ist im nur wenige Kilometer entfernten Federseemuseum Bad Buchau zu besichtigen, dessen Bau vom Stuttgarter Architekten Lehmbruck einem Pfahlbauhaus nachempfunden wurde. Hier kann man einen Zeitsprung von der Steinzeit in die Bronzezeit (2200–800 v. Chr.) machen. In einem für die Menschheitsgeschichte sehr kleinen Zeitabschnitt passieren nun gravierende Umwälzungen, die alle Aspekte des Lebens der vorgeschichtlichen Menschen betrafen. Die Erfindung der Bronze, 90 Teile Kupfer plus 10 Teile Zinn, verbesserte das weiche Kupfer erheblich und die Erfindung verbreitete sich rasch. Zinn ist in Europa selten und musste so von weither importiert werden. Der Fernhandel wurde professionalisiert, das Pferd nun nicht mehr als Nahrungsquelle gejagt, sondern domestiziert und als Zug- und Reittier genutzt, Wagen und Räder wurden verbessert, Wege durch die Moore angelegt. Die Bronzeverarbeitung benötigte Spezialisten, am Handel mit der begehrten Ware kamen nun erstmals Menschen zu Reichtum, auch das Schwert wurde in dieser Zeit erfunden.

 

Menschenopfer im Moor?

 

Auch die um 1100 v. Chr. entstandene „Wasserburg Buchau", eine befestigte Siedlung im Federseemoor mit mehreren Palisadenringen, lässt auf ein erhöhtes Schutzbedürfnis der Bewohner schließen. Zudem brachten die Fernkontakte neue Ideen und Glaubensvorstellungen mit. Es gibt hier, wie auch aus anderen Pfahlbausiedlungen dieser Zeit, Hinweise auf grausige Riten: man fand verstreut am Rand der Siedlung mehrere Fragmente von Kinderschädeln. Zwei Kinder wurden ermordet, als sie etwa acht Jahre alt waren. Der Junge starb durch den Schlag einer Keule; dem Mädchen wurde mit einem scharfkantigen Gegenstand der Schädel zertrümmert. Sollten diese Kinder als Opfer die Götter besänftigen oder dienten sie zur Abschreckung von Feinden in gefährlichen Zeiten? Zumindest läuteten sie das Ende einer Epoche ein, hier am Federsee wie auch an anderen Seen des Alpenvorlandes endete die große Zeit der Pfahlbauten mit dem Ausgang der Bronzezeit zwischen 850 und 800 v.Chr.

 

Freilichtmuseum und Ausgrabung live

Im großen Freiluftbereich des Federseemuseums können die Besucher in den detailgetreuen Hausrekonstruktionen der Steinzeit- bis zur Bronzezeit mit allen Sinnen in die Welt der Pfahlbauten eintreten. Museumspädagogische Aktionen und kulinarische Angebote runden den Besuch ab.

 

Zusätzlich zu diesen Angeboten besteht die Möglichkeit, den Archäologen bei aktuellen Ausgrabungen im Moor über die Schulter zu schauen: Wer weiß, vielleicht sind Sie ja bei der Entdeckung der nächsten vorgeschichtlichen Sensation live mit dabei?

 

 

Infokasten:

 

Titel:

 

„4.000 Jahre Pfahlbauten"

 

Ausstellungsform:

 

Große Landesausstellung Baden-Württemberg

 

Veranstalter:

 

Eine gemeinsame Ausstellung des Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg und des Landesamtes für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart in Zusammenarbeit mit dem Federseemuseum Bad Buchau und den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg

 

Ausstellungsorte:

 

Kloster Schussenried, Neues Kloster 1, 88427 Bad Schussenried

 

Federseemuseum Bad Buchau, August Gröber Platz, 88422 Bad Buchau

 

Homepage:

 

www.pfahlbauten2016.de

 

 

Ausstellungszeitraum: 16.04. bis 09.10.2016

 

 

Die beiden Ausstellungsorte werden durch ein regelmäßig verkehrendes Shuttlesystem verbunden.

Ailinger Erlebnismühle

 

Talstrasse 25

 

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